Ghost-Bikes stellt Geschäftsbetrieb ein | Weiden24

vor 4 Stunden
Ghost verschwindet: Der Fahrradhersteller aus Waldsassen stellt den Geschäftsbetrieb ein. (Archivbild: jut)
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Ghost verschwindet: Der Fahrradhersteller aus Waldsassen stellt den Geschäftsbetrieb ein. (Archivbild: jut)

Ghost-Bikes stellt Geschäftsbetrieb ein

Der Geschäftsbetrieb von Ghost wird eingestellt. Es hat sich kein Investor für den Fahrradhersteller aus Waldsassen gefunden.

Die Belegschaft wurde laut Informationen von Oberpfalz-Medien am Montagvormittag über das Ende informiert. Die Stimmung sei entsprechend schlecht gewesen. Ghost war viele Jahre eine Oberpfälzer Erfolgsgeschichte und gehörte zu Waldsassen wie Pedale zu einem Fahrrad.

Ghost ist eine Tochtergesellschaft der Accell Germany GmbH. Sie hat gemeinsam mit ihrer Muttergesellschaft und den Schwestergesellschaften Winora-Staiger GmbH und Engelbert-Wiener-Bike-Parts GmbH am 5. August 2026 beim Amtsgericht Schweinfurt einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Ausgelöst hatte alles die Pleite des niederländischen Mutterkonzerns, der Accell-Gruppe.

„Keine tragfähige Lösung“

Seit der Anordnung des vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens hat das Team der Anwaltskanzlei Grub Brugger unter der Führung des Sanierungsexperten Martin Mucha gemeinsam mit der Geschäftsführung um Joost van Schaik die Sanierung der deutschen Accell-Gruppe vorangetrieben und „intensiv nach Lösungen für die Ghost-Bikes GmbH gesucht“, heißt es in dem gemeinsamen Schreiben vom Montag. Es habe mehrere Interessenten für Ghost gegeben, bestätigt ein Sprecher von Accell-Germany auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Mit ihnen seien auch Gespräche und Verhandlungen geführt worden. Am Ende habe aber keiner der Interessenten ein verbindliches Angebot abgegeben. „Für die Ghost-Bikes GmbH ergab sich daraus schlussendlich aber keine tragfähige Lösung“, heißt es weiter.

„Ich bedauere es sehr, dass sich trotz intensiver Bemühungen keine Fortführungslösung für die Ghost-Bikes GmbH ergeben hat“, erklärt der Sanierungsexperte, Rechtsanwalt Martin Mucha, von der Kanzlei Grub Brugger. „Uns bleibt nur, den Betrieb geordnet herunterzufahren. Ich hoffe, dass alle Mitarbeitenden des Unternehmens schnell eine neue Anstellung finden können.“ Mucha ist für die Dauer des Eigenverwaltungsverfahrens als Generalbevollmächtigter in das Unternehmen eingetreten und unterstützt gemeinsam mit seinem Team und vor allem seinem Partnerkollegen Hans Konrad Schenk und Markus Berger die Geschäftsführung bei der Restrukturierung.

„Ghost-Bikes ist eine Traditionsmarke mit treuen Kundinnen und Kunden. Es schmerzt mich, dass wir für das Unternehmen keine Zukunftslösung finden konnten“, sagt Joost van Schaik für die Geschäftsführung der Ghost-Bikes GmbH. „Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen in Waldsassen für ihren Einsatz.“

„Wirtschaftlich beste Option“

Man sei von Anfang an „eng in den Investorenprozess eingebunden“ gewesen, sagt der Sachwalter, Rechtsanwalt Stefan Debus von der Kanzlei Müller Heydenreich Bierbach & Kollegen. Er überwacht im Eigenverwaltungsverfahren die Geschäftsführung. Für Ghost habe am Ende jedoch kein Angebot vorgelegen, das die Gläubiger bessergestellt hätte als ein geordneter Abverkauf der Bestände. „Dieser Weg ist wirtschaftlich die beste Option; deshalb gehen wir ihn mit. Wir werden die Umsetzung weiter eng begleiten und darauf achten, dass die Bestände bestmöglich im Sinne der Gläubiger verwertet werden“, so Debus.

Wie ein Sprecher von Accell-Germany am Montagabend auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien erklärt, sei der Restbestand an Ghost-Fahrrädern bereits als Einheit an einen Händler verkauft worden. Die Abwicklung des Verkaufs werde voraussichtlich noch bis Dezember dauern.

Die Ghost-Bikes GmbH ist über die Accell-Germany GmbH Teil der internationalen Accell-Gruppe, die die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR & Co. 2022 mehrheitlich erworben hatte. Unmittelbar nach der Übernahme kam es wegen des Abflauens des Covid-bedingten Fahrradbooms zu einer noch immer andauernden Absatz- und Preiskrise im Fahrradmarkt. Trotz umfangreicher finanzieller Restrukturierungsmaßnahmen in den Jahren 2024 und 2025 gelang keine nachhaltige Sanierung.

Ghost-Schwesterfirmen gerettet

Ein daraufhin eingeleiteter strukturierter Verkaufsprozess für die gesamte Accell-Gruppe scheiterte. In der Folge stellte die Accell-Gruppe in zahlreichen Ländern innerhalb und außerhalb der Europäischen Union Insolvenzanträge, darunter in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, Ungarn und den Niederlanden.

Die Hoffnung, dass Ghost von einem neuen Investor übernommen wird, war groß. Rechtsanwalt Martin Mucha zeigte sich lange optimistisch. Ghost sowie die beiden anderen deutschen Accell-Marken Winora und Haibike galten als „etablierte Marken mit einer treuen Kundenbasis“. Am Ende wurden allerdings nur Winora und Haibike gerettet – die beiden Marken wurden vor wenigen Tagen vom Dutech-Konzern aus Singapur übernommen. Ghost war nicht Bestandteil dieses Deals.

Für die ebenfalls insolvente Engelbert-Wiener-Bike-Parts GmbH gibt es derzeit dagegen noch Hoffnung. Für das Unternehmen ist es im vorläufigen Verfahren gelungen, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und die Belieferung der Kunden wieder aufzunehmen. Ziel sei laut Unternehmensmitteilung weiterhin eine Investorenlösung.

Ghost war 1993 von Uwe Kalliwoda und Klaus Möhwald als Garagenfirma gegründet worden. 2008 verkauften die beiden Gründer das Unternehmen an den niederländischen Accell-Konzern. Anfang der 2020er-Jahre verkaufte Ghost in der Spitze mehr als 200.000 Fahrräder pro Jahr und beschäftigte rund 330 Mitarbeiter. In den folgenden Jahren ging es dann aber Schritt für Schritt bergab. Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Ghost-Bikes GmbH wurde am 1. November 2026 eröffnet.

Für den Fahrradhersteller Ghost-Bikes in Waldsassen gibt es kein Happy End. Nachdem sich kein Investor gefunden hat, wird der Betrieb eingestellt und 53 Mitarbeitende verlieren ihren Arbeitsplatz. Die Restbestände an Fahrrädern sollen nun als Ganzes verkauft werden.

Auslöser der Schließung war die Insolvenz der niederländischen Muttergesellschaft Accell-Gruppe, die weltweit von einer Absatz- und Preiskrise betroffen ist. Trotz intensiver Bemühungen und geprüfter Fortführungsoptionen konnte keine tragfähige Lösung für eine Weiterführung des Traditionsunternehmens Ghost-Bikes gefunden werden. Nun bleibt nur mehr ein geordneter Abverkauf im Sinne der Gläubiger.

 
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