Mord an Rapper Tupac Shakur: Angeklagter schuldig gesprochen | Weiden24

vor 57 Minuten
Etwa 30 Jahre nach seinen Tod fällt der Schuldspruch in Las Vegas. (Archivbild: Tom Rodriguez/Globe Photos via ZUMA Wire/dpa)
Etwa 30 Jahre nach seinen Tod fällt der Schuldspruch in Las Vegas. (Archivbild: Tom Rodriguez/Globe Photos via ZUMA Wire/dpa)
Etwa 30 Jahre nach seinen Tod fällt der Schuldspruch in Las Vegas. (Archivbild: Tom Rodriguez/Globe Photos via ZUMA Wire/dpa)
cancel
info
Etwa 30 Jahre nach seinen Tod fällt der Schuldspruch in Las Vegas. (Archivbild: Tom Rodriguez/Globe Photos via ZUMA Wire/dpa)

Mord an Rapper Tupac Shakur: Angeklagter schuldig gesprochen

Der Mord an dem Rapper Tupac Shakur schockierte 1996 die Öffentlichkeit - und warf viele Fragen auf. 30 Jahre später kommt es zu einem Prozess. Die Geschworenen in Las Vegas entscheiden schnell.

Knapp 30 Jahre nach dem Mord an US-Rapper Tupac Shakur ist der frühere Gang-Anführer Duane Davis schuldig gesprochen worden. Zwölf Geschworene in Las Vegas sahen es als erwiesen an, dass der 63-Jährige als Drahtzieher für den Tod des Musikers verantwortlich ist. Nach den Abschlussplädoyers am Montag (Ortszeit) hatte sich die Jury zu Beratungen zurückgezogen. Innerhalb von drei Stunden fällten die Geschworenen ihr Urteil. 

Davis, der im schwarzen Anzug vor Gericht erschienen war, nahm den Schuldspruch zunächst regungslos zur Kenntnis. Dann wandte er sich an die Richterin und erklärte, dass er in Berufung gehen werde. Das Strafmaß gegen Davis soll am 13. Oktober verkündet werden. Ihm droht lebenslange Haft. 

Der Tod von Tupac Shakur gilt als einschneidendes Ereignis in der Musikszene der 1990er Jahre und auch darüber hinaus und führte zu zahlreichen Verschwörungstheorien - darunter die, dass er noch am Leben sei. „Er lebt auf meiner Playlist“, sagte Ex-US-Präsident Barack Obama vor kurzem dazu in einem Interview.

Angehörige und Freunde von Shakur, die dem dreiwöchigen Prozess beiwohnten, reagierten sichtlich erleichtert. Sie umarmten sich und wischten Tränen aus den Augen. 

Erfolgs-Rapper der 1990er Jahre

Shakur („All Eyez on Me“) war einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Rapper der 1990er Jahre und gilt bis heute für den Hip-Hop als eine der prägendsten Figuren. Der für Hits wie „California Love“ und „Changes“ bekannte Musiker verkaufte weltweit Millionen Platten. Sein Einfluss auf Rapmusik und Popkultur reichte weit über seinen Tod hinaus. 2017 wurde er posthum in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, 2023 folgte eine Sternenplakette auf Hollywoods Walk of Fame. 

Der Rapper war 25 Jahre alt, als er am 7. September 1996 in einem Auto in Las Vegas angeschossen wurde und sechs Tage später im Krankenhaus starb. 

Schüsse soll Neffe abgegeben haben

Davis wurde nicht beschuldigt, selbst auf Shakur geschossen zu haben. Die Staatsanwaltschaft sah in dem früheren Anführer der Straßengang South Side Compton Crips vielmehr den Drahtzieher des tödlichen Angriffs. Nach Darstellung der Anklage organisierte er die Vergeltungsaktion und beschaffte die Waffe. Nach dem Recht des Bundesstaats Nevada kann auch jemand wegen Mordes verurteilt werden, der einem anderen bei der Tat hilft.

Der angeklagte frühere Gang-Anführer war 2023 in Las Vegas festgenommen und unter anderem wegen Mordes mit Gebrauch einer tödlichen Waffe angeklagt worden. Vor Gericht plädierte er auf nicht schuldig. Zuvor hatte er allerdings mehrfach öffentlich darüber gesprochen, dass er in dem weißen Cadillac gesessen habe, aus dem 1996 in Las Vegas die Schüsse auf Shakur abgefeuert wurden. Er sei der einzige Insasse aus dem Auto, der noch lebe, hatte er in Interviews gesagt und auch in einer Autobiografie geschrieben. Die tödlichen Schüsse habe aber sein Neffe abgegeben, sagte er 2008 in einem Verhör.

Lange fehlten ausreichende Beweise, um den Fall vor Gericht zu bringen. Am Ende hätten unter anderem die eigenen Worte des Festgenommenen die Untersuchungen weitergebracht, erklärte die Polizei.

Verteidiger nannte Mandanten einen Lügner und Angeber

Verteidiger Michael Sanft stellte seinen Mandanten hingegen als Lügner und Angeber dar, der viele Dinge erfunden habe, um daraus Kapital zu schlagen. Sanft hielt den Ermittlern zudem vor, bei der Untersuchung des Vorfalls viele Fehler gemacht und keine wasserdichte Argumentationskette vorgelegt zu haben. Demnach wurde die Mordwaffe nie gefunden und es gab auch keine physischen Beweismittel dafür, dass Davis tatsächlich am Tatort war.

Auslöser der Tat soll eine Schlägerei wenige Stunden vor den Schüssen gewesen sein. Shakur und Begleiter hatten nach einem Boxkampf von Mike Tyson in Las Vegas Davis' Neffen Orlando Anderson angegriffen. Anderson, der mit 23 bei einer Schießerei ums Leben kam, gehörte mutmaßlich wie Davis den South Side Compton Crips an. Shakur war mit dem rivalisierenden Umfeld um das Plattenlabel Death Row Records und dessen Mitgründer Suge Knight unterwegs. Videoaufnahmen aus dem Casino dokumentieren die Schlägerei.

Im Laufe des Verfahrens sagten unter anderem Polizisten, Augenzeugen und Mitglieder der Rap- und Gangszene aus. Der Angeklagte trat selbst nicht in den Zeugenstand. Auch Rap-Mogul Knight, der in der Mordnacht neben Shakur am Steuer saß, wurde nicht vorgeladen. Er sitzt derzeit eine Haftstrafe wegen Totschlags ab.

Der Mord fiel in eine Zeit erbitterter Rivalität in der damaligen Hip-Hop-Szene. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft waren rivalisierenden Plattenfirmen zugleich mit verfeindeten Gangs verbunden. Die Anklage stellte diese Verbindungen im Prozess als Hintergrund des Konflikts dar.

© dpa-infocom, dpa:260901-930-612237/6

 
north