Ist das die sexyste oder spießigste Serie des Jahres? „Friends Sex and Games“ bei Prime Video dreht sich um ein Sex-Schlüsselspiel im Freundeskreis - und das heiß diskutierte Thema offene Beziehung.
Ein Partnertausch-Partyspiel, bei dem der Schlüssel einer anderen Person gezogen und die Nacht miteinander verbracht wird, bringt eine Freundesgruppe von Millennials in emotionale Verwerfungen. Das ist die Essenz der Serie „Friends Sex and Games“ bei Amazon Prime Video (Streamingstart 16. Oktober), die sich um Liebe, Freundschaft, Beziehung und Begehren dreht.
Der kurzweilige Achtteiler (jede Folge 30 Minuten) ist ein deutsches Remake, eine Adaption, der mexikanischen Prime-Video-Serie „El Juego de las Llaves“ (Das Spiel der Schlüssel) aus dem Jahr 2019.
In der „Beziehungsdramedy“ wimmelt es von Sexszenen, die Intimacy Coordinatorin Emilia Bähr hatte viel zu tun: „Diese Serie war bislang das Projekt mit den meisten intimen Szenen meiner Laufbahn – rund 80 insgesamt.“
Eine der Hauptdarstellerinnen, Paula Kalenberg, schwärmt im Prime-Presseheft vom „vertrauensvollen Ensemble“, mit der Intimitätskoordinatorin sei die körperliche Nähe sorgfältig geprobt worden. Man habe mit den zwei Regisseurinnen auch offen über Unsicherheiten sprechen können.
Schauspieler Fridolin Sandmeyer sagt, jede Sexszene sei genau besprochen, sei „präzise choreografiert – fast wie ein Stunt“: „Welche Berührungen gibt es? Was soll die Kamera zeigen? Wie hoch ist das jeweilige Nudity-Level?“. Sein Kollege Eric Cordes sagt: „Selbst wenn eine Berührung ursprünglich vorgesehen war, konnte jederzeit offen angesprochen werden, wenn sie sich an diesem Tag nicht richtig anfühlte.“
Letzten Endes sehen Zuschauerinnen und Zuschauer nicht so viel nackte Haut, wie sie bei diesem Stoff könnten. „Friends Sex and Games“ geht es nicht darum, eine erregende Erotik-Serie zu sein - kein „Euphoria“ oder „Heated Rivalry“. Die Dialoge sind jedoch teils sehr explizit, da wird auch schon mal davon gesprochen, „random auf einen Schwanz“ steigen zu wollen.
Die Serie stellt klassische heteronormative und monogame Beziehungsmodelle infrage, es geht um die heute wohl öfter - oder zumindest bei jüngeren Leuten freimütiger - diskutierte Frage nach einer offenen Beziehung.
„Für mich gibt es keine allgemeingültige Antwort auf die Frage nach offenen oder geschlossenen Beziehungen“, sagt Darsteller Cordes. Wichtiger sei, dass Paare darüber reden, wie sie ihre Beziehung gestalten möchten. „Das ist ein Prozess, der sich im Laufe des Lebens immer wieder verändern kann.“
Lilja van der Zwaag, die in der Serie den sexuell wohl freisten Charakter spielt, sagt: „Ich finde, wir sprechen öffentlich zu wenig über Sex. Unsere Gesellschaft ist heute im Vergleich zu anderen Zeiten eher prüde und verklemmt.“ Wenn die Serie es schaffe, da etwas wiederzubeleben, sei das schon ein Zugewinn.
Im Mittelpunkt stehen Anna und Paul, die seit Schulzeiten zusammen sind. Sie haben eine 15-jährige Tochter und führen ein beschauliches Leben mit Häuschen, Garten, Pool und routiniertem Sexleben. Auch ihre Freunde Julie und Valentin sowie Bella und Leo sind schon lange liiert.
Eines Tages taucht Samu wieder auf - mit seiner Freundin Siena. Er ist Annas Schwarm aus Teenie-Zeiten. Das schicke Paar kommt gerade aus Ibiza und schlägt der alten Clique ein Fremdgehspiel vor.
Die Männer legen ihre Schlüssel in eine Schüssel, die Frauen ziehen. Die dabei neu entstehenden Pärchen verbringen die Nacht zusammen. Keine Gefühle, keine Verpflichtungen. Nur das Spiel.
Was als aufregendes Sex-Experiment beginnt, nimmt natürlich dramatische Züge an. Alte Sehnsüchte brechen auf. Es geht etwa um einen unerfüllten Kinderwunsch und verdrängte Homosexualität.
Die Serie ist mit Herz und Humor geschrieben und liebevoll gespielt. Da ist es am Ende nicht so schlimm, dass alle Figuren viel zu chic wohnen, einiges sehr konstruiert wirkt und vielleicht doch auch zu piefig bleibt.
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