Racketlon-Profi Basti Böhm spielt an der Weltspitze | Weiden24

04.05.2026
Basti Böhm beim Tennis – einer der vier Racketlon-Disziplinen. (Bild: ravsport.racketlon)
Basti Böhm beim Tennis – einer der vier Racketlon-Disziplinen. (Bild: ravsport.racketlon)
Basti Böhm beim Tennis – einer der vier Racketlon-Disziplinen. (Bild: ravsport.racketlon)
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Basti Böhm beim Tennis – einer der vier Racketlon-Disziplinen. (Bild: ravsport.racketlon)

Racketlon-Profi Basti Böhm spielt an der Weltspitze

Bastian Böhm aus Maxhütte-Haidhof mischt mit gerade mal 21 Jahren eine der vielseitigsten Sportarten überhaupt auf – Racketlon. Zwischen Tischtennis, Badminton, Squash und Tennis hat er sich bis an die Weltspitze gespielt.

Basti, kannst du kurz erklären, was Racketlon ist?

Ich erklär’s immer so: Racketlon ist wie ein Schläger-Vierkampf. Ein Spiel besteht aus Tischtennis, Badminton, Squash und Tennis. Man spielt vom kleinsten bis zum größten Schläger und jede Disziplin in nur einem Satz bis 21 Punkte. Alle zwei Punkte wechselt der Aufschlag. Und man geht dann mit Plus- oder Minuspunkten in die nächste Sportart. Wer insgesamt die meisten Punkte hat, gewinnt. Das heißt: Du kannst auch drei Disziplinen verlieren und trotzdem das Match holen, wenn du insgesamt mehr Punkte gemacht hast. Deshalb musst du ein echter Allrounder sein und alles zumindest ordentlich können. Ein Racketlonspiel dauert ungefähr 1,5 Stunden und man hat maximal drei Minuten Pause zwischen den Disziplinen.

Was macht Racketlon im Vergleich so besonders?

Für mich macht Racketlon besonders, dass ich alle vier Sportarten trainieren muss – und dabei total flexibel bin. Wenn ich mal keine Lust auf die eine habe, trainiere ich einfach eine andere. Die große Herausforderung ist, wirklich alle vier Disziplinen zu können. In nur einer Sportart wäre ich wahrscheinlich nie so gut gewesen, an die Weltspitze zu kommen. So ist es aber ein Mix – und auch wenn ich nicht in jeder Disziplin der Beste bin, habe ich überall ein sehr gutes Niveau.

Wann hast du damit angefangen? Mittlerweile spielst du ja sogar in der Nationalmannschaft.

Angefangen habe ich vor zehn Jahren über meinen Vater, der schon länger Racketlon gespielt hat. 2016 gab es die WM in Nürnberg, und er meinte: „Spiel doch mal mit.“ Damals war ich noch überhaupt nicht vorbereitet und habe jedes Spiel hoch verloren. Ich dachte fast: „Nie wieder!“ – aber ich war auch der jüngste Teilnehmer. Mein Vater hat mich trotzdem weiter motiviert. Mit der Zeit wurde ich älter, habe vorher gut trainiert, und 2017 bei der EM in Österreich gleich im Doppel und Team den Europameistertitel geholt. So ein Erfolg im ersten richtigen Turnier hat mir einiges an Motivation gegeben, weiterzumachen.

Derzeit bist du auf Platz 8 der Weltrangliste. Gibt es einen Moment, in dem du gemerkt hast: „Okay, ich kann hier ganz vorne mitspielen“?

Der Punkt, an dem ich richtig gedacht habe: „Ja, das könnte was werden“ kam lange nach der EM in Österreich – danach hatte ich länger nichts mehr gewonnen. Aber bei der WM in Wien 2022 wurde ich U18-Weltmeister. Ich hatte einfach Spaß und wollte sehen, was dabei rauskommt. Wenn ich mich zu sehr reingesteigert hätte, wäre es vielleicht nicht so gut gelaufen. Ich bin locker ins Turnier gegangen, habe das erste Spiel mit einem „Gummiarm“ gewonnen und bin dann richtig in den Flow reingekommen. „Gummiarm“ nennt man den letzten Spielzug im Tennis, wenn bei Gleichstand ein Punkt über Sieg oder Niederlage entscheidet – und den spielt man eben meistens mit einem relativ zittrigen Arm. Bei dieser WM habe ich dann auch das erste Match im Elitefeld der Erwachsenen gewonnen – da dachte ich: „Okay, vielleicht mach ich das gar nicht so schlecht.“

Gibt es im Racketlon so etwas wie den perfekten Allrounder – oder gewinnt am Ende doch der Spezialist?

Ja, das sehe ich an mir selbst. Ich habe keine einzelne Sportart, die total über allem steht. Tennis liegt mir zwar am besten und ich spiele das sehr gut, aber wenn du in den ersten drei Disziplinen so schlecht bist, dass früh klar ist, dass du das nicht mehr aufholen kannst, bringt dir das auch nichts. Wenn du nach Squash zum Beispiel mit über 22 Punkten hinten liegst, kannst du es im Tennis nicht mehr aufholen. Es nützt also nichts, wenn du nur die ersten drei Disziplinen beherrschst – man muss wirklich in allen vier Sportarten etwas draufhaben.

Wie verändert sich die Dynamik im Turnier über die Disziplinen?

Ich würde sagen, dass von Anfang an jeder fokussiert ist, weil eben wirklich jeder Punkt zählt. Wenn du die ersten Punkte verschläfst, bereust du das später vielleicht noch mehr. Die Dynamik ist also von Beginn an da. Ein Beispiel: Letztes Jahr in Wien habe ich gegen einen polnischen Gegner, den damals amtierenden Weltmeister, gespielt. Ich war von Anfang an konzentriert, er war direkt beim Tischtennis unkonzentriert, also habe ich da 21:5 gewonnen und bin mit 16 Pluspunkten ins Badminton gestartet. Ich war richtig „on fire“, habe mir nach jedem Punkt selbst Mut zugesprochen. Er war fast durchgehend nicht richtig da – das hat das Spiel am Ende entschieden. Squash habe ich dann zwar haushoch verloren, aber trotzdem das Match insgesamt gewonnen.

Hast du Rituale oder Routinen vor oder während eines Matches?

Ich habe eine gewisse Routine in dem, was ich frühstücke. Ich fange immer mit etwas Süßem an, dann kommt noch was Deftiges und zum Schluss Joghurt. Wenn ich das einmal so mache an einem Turnierwochenende, ziehe ich das auch das ganze Turnier durch – egal, ob ich am ersten Tag gewinne oder verliere. Außerdem telefoniere ich vor den Spielen immer mit meinem Papa, wenn er nicht dabei ist. Er ist in gewisser Weise auch mein Coach. Er kennt die Szene, viele Spieler und weiß, worauf ich achten muss. Da bekomme ich dann nochmal ein paar letzte Tipps mit auf den Weg.

Gibt es Momente, die dir besonders im Kopf geblieben sind?

Ein Match, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war eigentlich eines meiner schlechtesten – und trotzdem haben wir am Ende den Titel geholt. 2024 sind wir Team-Weltmeister in der zweiten Liga geworden und haben den Nations Cup gewonnen. Ich war Teamkapitän und habe mir damals extrem viel Druck gemacht. In den ersten zwei Disziplinen habe ich richtig schlecht performt. Aber mein Team hat mich aufgebaut und quasi durch das Match getragen – das war schon etwas Besonderes.

Ein Einzelspiel, das mir immer im Kopf bleibt, ist mein erstes WM-Turnier 2022, als ich direkt Weltmeister geworden bin. Das kam total unerwartet, damit hat niemand gerechnet. Ich habe gleich in der ersten Runde den amtierenden Weltmeister geschlagen. Es waren viele Leute im Publikum, die ich kannte, die sich für mich gefreut haben – sogar alte Freunde von meinem Papa, die dann vor Freude geweint haben.

Mein Lieblingsturnier bisher waren wahrscheinlich die Tour Finals in Mumbai. Das war einfach eine andere Welt – auch sportlich, aber vor allem kulturell. Für uns Racketlon-Spieler ist so viel Gastfreundschaft total ungewohnt, weil wir normalerweise alles selbst zahlen müssen. Dort wurde einfach alles übernommen, man konnte das Turnier richtig genießen. Das war insgesamt schon mein coolstes Erlebnis.

Du kommst aus der Region und bringst den Sport aktiv nach vorne – warum ist dir das so wichtig?

Unser Sport läuft einfach noch ziemlich unterm Radar. Wenn ich sage, ich spiele Racketlon, wissen die meisten erst mal gar nicht, was das ist. Das ist irgendwo auch verständlich, weil sich hier national noch nicht so viel tut. Es gibt kaum Fördergelder, und vieles hängt an Eigeninitiative. Mein Papa und ich versuchen deshalb, so viele Events wie möglich mitzunehmen – von Sportlerehrungen bis zu Gesprächen mit Verantwortlichen, um den Sport bekannter zu machen. International ist das Ganze schon deutlich professioneller, aber in Deutschland gibt es zum Beispiel noch keinen richtigen Verband, sondern eher Vereinsstrukturen. Da müssten sich schon noch ein paar Dinge entwickeln. Ich selbst organisiere dieses Jahr wieder ein nationales Turnier in Schwandorf. Gleichzeitig gibt es aber auch die Racketlon-Bundesliga – ein Teamwettbewerb, der mir mit am meisten Spaß macht. Ich spiele für Nürnberg, wir haben dort gleich drei Mannschaften gemeldet, was für die Entwicklung in unserer Region spricht. Unser Ziel dieses Jahr ist klar: Deutscher Meister werden. Wir sind eine sehr junge Truppe, mit einem Altersdurchschnitt von etwa 20 Jahren – mit Abstand die jüngste im Feld.

Glaubst du, Racketl on hat das Potenzial, in Deutschland größer zu werden?

Ich glaube schon, dass Racketlon wieder größer werden kann. Dafür braucht es aber vor allem eine stabile Turnierserie, regelmäßiges Vereinstraining und auch Förderung – ohne die geht es einfach nicht. Man sieht es ja an anderen Sportarten wie Hyrox: Die sind quasi aus dem Nichts entstanden, weil ein ehemaliger Profisportler mit Vision und Investment dahinterstand. Wenn zum Beispiel ein ehemaliger Tennisprofi in Racketlon investieren und das Ganze größer aufziehen würde, könnte das auch bei uns nochmal richtig pushen. Am Ende hängt viel am Geld: Mit mehr finanziellen Mitteln steigt auch der Anspruch, die Professionalität und die Sichtbarkeit. Mehr Preisgeld wäre auf jeden Fall auch ein wichtiger Schritt, um den Sport attraktiver zu machen.

Du willst dich wieder für die Finals 2026 qualifizieren – was muss dafür passieren?

Ich habe mir für dieses Jahr schon einen groben Turnierplan zusammengestellt. Im April war ich in Zürich, dann möchte ich wieder nach Istanbul – die Turniere dort machen mir einfach Spaß. Die WM ist wieder in Rotterdam, außerdem spielen wir eines unserer drei internationalen Turniere in Deutschland in Heidelberg. Wien und Prag stehen auch noch auf dem Plan. Für all das sind aber auch Sponsoren total wichtig. Da ich sonst alles selbst finanzieren muss. Und ja, mein Ziel ist es, mich wieder für die Finals zu qualifizieren. Dafür müsste ich bei den Turnieren jeweils mindestens ins Viertel- oder Halbfinale kommen. Dann kann das mit den Finals auf jeden Fall klappen. Aber ich mache mir da keinen großen Druck – ich habe gemerkt: Mit Druck funktioniert es bei mir eher nicht.

LEO Shorties

  • Wenn du nur noch eine der vier Disziplinen spielen dürftest – welche wäre es?
    Squash – weil ich da noch am meisten Luft nach oben habe und es im Gegensatz zu den anderen technisch nie wirklich gelernt habe.
  • Welche Sportart nervt dich manchmal am meisten?
    Tischtennis – weil es psychisch die am wenigsten anspruchsvolle Disziplin ist.
  • Wie lange dauert ein Spiel?
    1,5 Stunden – bei einem Turnierwochenende bin ich insgesamt 10 Stunden auf dem Court.
  • Wie würdest du selbst deine Art zu Spielen benennen?
    Ganz klar ausdauernd.

 
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